
Porgy and best! - Ich weis, dass es langweilig klingt, wenn auch die vierte Besprechung eines Artikels nichts Neues zu sagen hat, aber es ist einfach nicht zu überhören was Miles Davis und Konsorten hier abgeliefert haben. Ich bin der festen Überzeugung dass es in der Kunst keine Perfektion geben kann, aber Junge Junge, das hier ist ganz schön nahe dran. Natürlich kennt man Summertime, I Loves You, Porgy und all die ganzen anderen phantastischen Klassiker, aber in dieser Interpretation lernt man sie ganz neu kennen, ohne das Mr. Davis sie zur Unkenntlichkeit zerinterpretiert. Davis gelingt es mit seiner Band die Leichtigkeit des Schwermutes (Kundera lässt grüßen) dieser tollen Komposition durchklingen zu lassen und ist selbstverständlich weit entfernt von jener Seichtigkeit, mit der manche Interpreten dieses Werk verzuckern. Durch Mr. Davis Interpretation ist mir noch einmal klar geworden welche Wirkung Gershwin mit seiner Oper erzielt hat. Fazit: Ein Meister spielt meisterlich ein Meisterwerk.
Ein absoluter Knaller - Weit entfernt von den ebenfalls sehr guten Aufneahmen von Porgy And Bess mit Louis Armstrong und Ella Fitzgerald,die manchmal ein bisschen kitschig wirken, glänzt Porgy and Bess mit Miles Davis durch mehr Individualität und Schärfen und Kanten.Miles Davis und Gil Evans haben daraus ein völlig neues Werk geschaffen, in dem Miles Davis mit seiner Trompete oder seinem Flügelhorn tiefe innere Monologe führt,voll von verschiedensten,meist düsteren Gefühlen.Er gibt mit seiner Trompete mehr von seinem Innersten Preis, als jeder Sänger es tun könnte.Vor allem das Stück Prayer,ein schmerzhafter Aufschrei,der sich aus der düsteren Introduktion von Miles Davis entwickelt und der am Höhepunkt entkräftet und hoffnungslos zusammenfällt,lässt einem einen kalten Schauer über den Rücken jagen.Ein Album,das wieder einmal, und wahrscheinlich sogar am besten zeigt,das Miles Davis mit einem einzigen Ton mehr ausdrücken kann als jeder andere.Besonders zu empfehlen: Summertime und das Gil Evans Original Gone.Ein unglaublich vielschichtiges Album,das jedem, der sich ein bisschen mit Musik beschäftigt,die tiefer geht als alberner Kommerzmüll,unbedingt kaufen sollte.
Eine der besten von Miles und Gil - Porgy und Bess ist eigentlich eine Oper von George Gershwin. Wer deshalb irgenwie Opernmusik erwartet (oder eine Art von Bigband ..) wird dann doch etwas überrascht sein. Zwar handelt es sich hier um eine Aufnahme mit Orchester, das ist richtig. Aber es ist so wie bei ganz vielen Einspielungen von Miles Davis ... Alle Musiker können machen was sie wollen, man wartet beim Zuhören dann doch immer wieder auf Miles Davis und sein Trompetenspiel. Miles hat nie durch Technik oder durch Virtuosität beeindruckt, er konnte bereits mit einer einzigen Note (ja manchmal mit einer Pause zwischen den Noten) so viel mehr ausdrücken als viele andere mit ihrer gesamten Improvisation. Und diese Aufnahme ist ein Beweis dafür, dass Miles Davis diese Fähigkeiten auch dann hatte, wenn er mit einem großen Orchester zusammenspielte.Bei der Aufnahme handelt es sich um eine der gemeinsamen Einspielungen von Miles Davis und Gil Evans. Wer diese Musik kennenlernen möchte, sollte Porgy And Bess anhören, oder Sketches of Spain (die beide viel individueller und facettenreicher sind als die sehr glatte Miles Ahead).
GEIL !!!!! - Auf dieser CD herrscht kein kitschiger Klangsumpf, sondern die Farben eines höchst individuell arrangierten Orchesters und die tieftraurigste Trompete (bzw. Flügelhorn), die man je gehört hat. (Der Vorgänger MILES AHEAD wird hier in jeder Beziehung um Längen übertroffen!) Brütende Südstaatenhitze wird mit sumpfigen Altflöten und Klarinetten gemalt, es explodieren Schreie in gewalttätig hohen Trompeten-Arrangements, und im dreizehnten und letzten Lied legt das Schiff nach New York ab mit einer rhythmisch unerhörten Nummer. (Nr. 14 und 15 sind Bonus-Tracks) Hineingemogelt hat sich Gone, über weite Strecken eine Trio-Nummer, in der sich die Rhythmusgruppenleute Philly Joe Jones und Paul Chambers mit ihrem Leader austoben können. Grandios auch die Abfolge von einem modalen, mit hypnotischen Begleitfiguren ausstaffierten Summertime, dem schmerzhaften Bess, Oh Where s My Bess mit unbeschreiblich klarem tiefem Trompetenregister und dem Aufschrei Prayer.